„Du musst dich einfach mehr konzentrieren.“
Diesen Satz haben viele Menschen mit ADHS schon unzählige Male gehört. Auch ich kenne ihn gut. Dabei ist die Wahrheit viel komplizierter.
Ich liebe es zu lernen. Schon mein ganzes Leben lang interessiere ich mich für neue Themen. Wenn mich etwas begeistert, kann ich stundenlang recherchieren, Videos anschauen, Bücher durchstöbern oder mich mit anderen darüber austauschen. Lernen macht mir Spass.
Doch sobald ich mich hinsetzen soll, um einen langen Text zu lesen oder etwas auswendig zu lernen, sieht die Sache oft anders aus.
Nach wenigen Minuten schweifen meine Gedanken ab. Ich lese denselben Satz mehrmals und merke plötzlich, dass ich gar nicht weiss, was ich gerade gelesen habe. Mein Kopf ist schon längst bei etwas anderem.
Früher dachte ich, ich sei einfach undiszipliniert oder faul. Heute weiss ich: Mein Gehirn funktioniert einfach anders.
ADHS bedeutet nicht, dass man nicht lernen kann
Viele Menschen glauben, ADHS und Lernen würden nicht zusammenpassen. Tatsächlich sind viele ADHSler unglaublich neugierig und wissbegierig.
Das Problem ist meist nicht das Lernen selbst, sondern die Art und Weise, wie gelernt werden soll.
Monotone Texte, stundenlanges Stillsitzen und reines Auswendiglernen liefern unserem Gehirn oft zu wenig Reize. Das Interesse verschwindet und damit auch die Konzentration.
Wenn mich ein Thema hingegen fasziniert, kann ich Informationen aufsaugen wie ein Schwamm. Dann vergesse ich manchmal sogar die Zeit.
Was mir beim Lernen hilft
Im Laufe der Jahre habe ich gelernt, dass ich nicht gegen mein Gehirn arbeiten muss, sondern mit ihm.
In kleinen Portionen lernen
Eine Stunde konzentriert lernen klingt gut – funktioniert bei mir aber selten.
Viel besser sind kurze Lernphasen von 15 bis 20 Minuten. Danach eine kleine Pause und dann weiter. So bleibt mein Kopf aufnahmefähig.
Bewegung einbauen
Still sitzen kostet mich oft mehr Energie als das Lernen selbst.
Beim Lernen herumlaufen, einen Stressball in der Hand halten oder währenddessen kritzeln hilft mir, konzentriert zu bleiben.
Laut denken und erklären
Ich merke mir Dinge besser, wenn ich sie laut ausspreche oder jemandem erkläre.
Manchmal rede ich sogar einfach mit mir selbst. Was für andere seltsam aussieht, hilft meinem Gehirn beim Verarbeiten.
Farben und Bilder nutzen
Lange Textwüsten überfordern mich schnell.
Farbige Markierungen, Mindmaps oder kleine Skizzen helfen mir, Informationen besser zu strukturieren und wiederzufinden.
Interesse als Motor nutzen
Wenn mich ein Thema begeistert, lerne ich fast automatisch.
Deshalb versuche ich, selbst bei Pflichtstoff einen persönlichen Bezug zu finden. Manchmal reicht schon eine interessante Frage, um meine Neugier zu wecken.
Lernen darf anders aussehen
Lange Zeit dachte ich, ich müsste so lernen wie alle anderen.
Heute sehe ich das anders.
Nur weil mein Gehirn nicht stundenlang still vor einem Lehrbuch sitzen möchte, bedeutet das nicht, dass ich nicht lernen kann. Es bedeutet lediglich, dass ich meinen eigenen Weg finden muss.
Und vielleicht ist genau das eine der wichtigsten Erkenntnisse für Menschen mit ADHS:
Wir lernen nicht schlechter.
Wir lernen oft nur anders.
Und sobald wir herausgefunden haben, wie unser Gehirn funktioniert, können wir erstaunlich viel erreichen.
Wie lernst du am besten mit ADHS? Hast du Tricks oder Strategien, die dir helfen? Schreib es gerne in die Kommentare.


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