Warum ich wegen eines Festivals nachts nicht schlafen kann

In vier Wochen ist das Greenfield Festival. Eigentlich sollte ich mich einfach freuen. Und das tue ich auch.

Aber gleichzeitig kreist mein Kopf seit Tagen ununterbrochen um alles, was ich noch organisieren, kaufen, einpacken oder bloss nicht vergessen darf.

Denn dieses Jahr schlafen wir zum ersten Mal im Zelt.

Und mein ADHS-Gehirn hat daraus inzwischen gefühlt ein Fulltime-Projekt gemacht.


Sobald ich im Bett liege, geht es los

Tagsüber denke ich oft gar nicht so extrem daran.

Aber kaum liege ich abends im Bett, beginnt plötzlich dieses Gedankenkarussell.

Dann schiesst mir durch den Kopf:

  • Haben wir genug warme Sachen?
  • Was ist, wenn es regnet?
  • Brauchen wir noch irgendetwas fürs Zelt?
  • Habe ich Ohrstöpsel?
  • Was, wenn ich etwas Wichtiges vergesse?
  • Wie machen andere Menschen das einfach so?

Und plötzlich fühlt sich alles gleichzeitig wichtig an.

Mein Gehirn springt dann von einem Gedanken zum nächsten, als hätte jemand hundert offene Tabs gleichzeitig aktiviert.


Das Problem mit offenen Gedankenschleifen

Ich glaube, viele Menschen mit ADHS kennen dieses Gefühl.

Sobald etwas Neues, Wichtiges oder Ungewohntes bevorsteht, lässt das Gehirn einfach nicht mehr locker.

Besonders dann nicht, wenn noch Dinge ungeklärt sind.

Und genau das ist beim Festival gerade mein Problem:
Es gibt noch keine fertige Liste.
Keine komplette Ordnung.
Keine hundertprozentige Sicherheit.

Für mein Gehirn bedeutet das:
ALARM.


„Ich muss unbedingt eine To-do-Liste machen“

Fast jeden Abend denke ich:
Morgen mache ich endlich eine richtige Liste.

Eine perfekte Liste.
Mit allem.
Wirklich allem.

Und in diesem Moment fühlt sich das unglaublich wichtig an.

Manchmal habe ich sogar Angst einzuschlafen, weil ich denke:
Was, wenn ich morgen alles wieder vergesse?

Das Verrückte ist:
Tagsüber vergesse ich dann oft tatsächlich, die Liste zu machen.

Oder ich beginne damit und lande plötzlich bei fünf anderen Dingen.

Und abends startet alles wieder von vorne.

Vor ein paar Nächten habe ich sogar vom Festival geträumt.

Im Traum lief ich völlig gestresst über das Gelände und war überzeugt, irgendetwas Wichtiges vergessen zu haben.

Als ich aufgewacht bin, war mein erster Gedanke tatsächlich:
„Ich muss morgen unbedingt endlich diese Liste machen.“

Natürlich habe ich es tagsüber wieder vergessen.

Und genau solche Momente zeigen mir immer wieder, wie sehr offene Dinge mein Gehirn beschäftigen können – selbst dann, wenn ich eigentlich einfach nur schlafen möchte.


Mein Gehirn möchte alles gleichzeitig lösen

Das Anstrengende daran ist nicht einmal nur das Festival selbst.

Sondern dieses Gefühl, ständig mental auf Bereitschaft zu sein.

Mein Kopf versucht nachts:

  • Probleme zu lösen
  • nichts zu vergessen
  • Sicherheit herzustellen
  • Kontrolle zu bekommen

Und je mehr ich versuche, endlich ruhig zu werden, desto aktiver wird mein Gehirn.


Selbst kleine Dinge werden plötzlich riesig

Manchmal merke ich selbst, wie absurd manche Gedanken eigentlich sind.

Dann liege ich nachts wach und denke intensiv darüber nach, ob ich genug Socken eingepackt habe – obwohl das Festival noch Wochen entfernt ist.

Aber ADHS macht aus offenen Dingen oft riesige Gedankenschleifen.

Nicht weil wir übertreiben wollen.
Sondern weil unser Gehirn Dinge schlecht „loslassen“ kann, solange sie nicht erledigt oder geklärt wirken.


Vielleicht geht es gar nicht nur ums Festival

Vielleicht geht es auch um etwas anderes:
um die Angst, etwas falsch zu machen.
Etwas zu vergessen.
Nicht vorbereitet zu sein.
Überfordert zu werden.

Und vielleicht versucht mein Gehirn deshalb nachts verzweifelt, schon jetzt jede mögliche Situation durchzuplanen.


Was mir im Moment ein bisschen hilft

Perfekt funktioniert das alles ehrlich gesagt noch nicht.

Aber ich versuche inzwischen:

  • Gedanken sofort aufzuschreiben
  • kleine Notizen im Handy zu machen
  • mir selbst nicht ständig Druck zu machen
  • nicht mitten in der Nacht alles lösen zu wollen

Einige Dinge, die mir bei Gedankenchaos und Reizüberflutung helfen, habe ich übrigens auch auf meiner Seite Tipps & Strategien gesammelt.

Und manchmal hilft allein schon der Gedanke:
Ich muss nicht jetzt sofort alles im Kopf behalten.


Vielleicht bin ich nicht einfach nur „zu chaotisch“

Früher dachte ich oft, ich sei einfach schlecht organisiert.

Heute verstehe ich langsam:
Mein Gehirn versucht oft einfach nur verzweifelt, nichts Wichtiges zu vergessen.

Und vielleicht kennen genau deshalb so viele Menschen mit ADHS diese Nächte, in denen man eigentlich schlafen möchte – aber der Kopf plötzlich lieber Festival-Packlisten schreibt.❤️

Warum mir solche Themen so wichtig sind und warum ich diesen Blog überhaupt schreibe, findest du übrigens auf meiner Über mich-Seite.



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