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Die Motivation ist da, die Energie ist da – theoretisch.
Und dann sitzt du da.
Laptop offen. Kopf voll. Hände leer.
Und plötzlich ist es, als würde jemand die Bremse ziehen.
Willkommen in meinem Kopf. Willkommen bei ADHS.
Warum ich manchmal alles will – und dann gar nichts mache
ADHS bedeutet oft, dass das Gehirn mehr Ideen produziert, als ein Tag Stunden hat.
Jede Idee wirkt spannend, wichtig, dringend.
Doch sobald ich mich entscheiden müsste, welche ich zuerst angehe, passiert… nichts.
Das Problem ist nicht fehlende Motivation.
Das Problem ist Überforderung durch Übermotivation.
Zu viele Möglichkeiten aktivieren das ADHS-Gehirn gleichzeitig.
Und wenn alles gleich wichtig erscheint, reagiert das Gehirn mit Stillstand.
Statt zu handeln, plane ich.
Statt anzufangen, denke ich nach.
Und während ich überlege, was ich zuerst machen soll, läuft die Zeit weiter.
Was dabei im Kopf passiert
Bei ADHS ist Motivation stark von Dopamin abhängig – dem Stoff, der Antrieb und Freude auslöst.
Routineaufgaben geben wenig Dopamin, neue Ideen dafür umso mehr.
Das führt dazu, dass ich mich ständig in neuen Gedanken verliere, anstatt das anzupacken, was ich begonnen habe.
Das Gehirn liebt Abwechslung.
Aber Abwechslung bedeutet auch Ablenkung.
Und so entsteht der bekannte Kreislauf:
Idee – Euphorie – Stillstand – Frust.
Wie sich das anfühlt
Es fühlt sich an, als würde mein Kopf gleichzeitig Vollgas geben und auf der Bremse stehen.
Ich will handeln, aber mein Gehirn weigert sich.
Ich weiss, was ich tun müsste, aber der Startknopf funktioniert nicht.
Und während ich mich selbst dafür kritisiere, wächst die To-do-Liste im Kopf weiter.
Diese Momente bringen schnell Schuldgefühle mit sich.
Ich denke: „Warum kriegen andere das hin und ich nicht?“
Aber ADHS hat nichts mit Faulheit zu tun.
Es ist ein neurobiologisches Muster.
Das Gehirn arbeitet anders – nicht schlechter, nur anders.
Was mir hilft, wenn alles zu viel ist
Ich habe gelernt, kleine Strategien einzubauen, um nicht ganz in der Blockade zu landen.
- Eine Sache pro Tag.
Ich wähle morgens eine einzige Aufgabe, die heute zählt.
Wenn ich die erledige, ist der Tag ein Erfolg. - Kurze Zeitfenster.
Ich stelle den Timer auf 15 Minuten und fange einfach an.
Oft geht es danach leichter weiter. - Parkplatzliste für Ideen.
Ich schreibe alles auf, was ich machen will – aber nicht sofort.
So bleibt der Kopf frei und nichts geht verloren. - Erfolge sichtbar machen.
Auch kleine Schritte zählen. Ein abgehakter Punkt ist besser als zehn offene. - Freundlich mit mir bleiben.
Ich bin nicht faul. Ich funktioniere nur anders.
Wenn Motivation und Realität sich treffen
Ich habe gelernt, dass Motivation bei ADHS kein Dauerzustand ist.
Sie kommt in Wellen – und das ist in Ordnung.
Wichtiger als dauerhafte Energie ist, überhaupt loszulegen, egal wie klein der Schritt ist.
Ich werde wohl nie die Person sein, die alles perfekt plant und diszipliniert abarbeitet.
Aber ich bin jemand, der nie aufhört, Neues zu wollen.
Und auch wenn ich manchmal feststecke, weiss ich:
Das ist kein Stillstand, das ist ein Teil meines Weges.
Vielleicht schaffe ich heute nicht alles, was ich mir vorgenommen habe.
Aber ich bleibe neugierig, kreativ – und irgendwie immer in Bewegung.
Und das reicht. Für heute. 💛


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